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News 1996

München, Januar 1996

Airleichtert - Transportable Kompressoren

Wer kennt das nicht? Um mehrere Tauchgänge zu unternehmen, werden Unmengen an schweren Flaschen an den See geschleppt. Einfacher ist es mit einem Kompakt-Kompressor, der den Lufttransport um ein Vielfaches erleichtert. Unterwasser stellt Ihnen die mobilen Druckmaschinen vor.

CAPITANO

Traktor · Der BAUER auf Rädern wird durch einen fahrbaren Untersatz mobil. Für Tauchvereine oder Hobbytaucher mit größerem Luftbedarf ist der "Capitano" die richtige Entscheidung. Der Kompressor hat eine Lieferleistung von etwa 140 Litern in der Minute und wird wahlweise von einem Viertakt-Diesel- oder Benzinmotor angetrieben. Der semi-professionelle Kompressor kann auch von 220 auf 330 bar Fülldruck umgerüstet werden.

Erinnern Sie sich noch an die Bilder, auf denen ein Helmtaucher von handbetriebenen Pumpen mit Luft versorgt wird? Für Sporttaucher ist nur schwer vorstellbar, wie schwierig die Luftversorgung noch vor wenigen Jahren war. Durch die Entwicklung kleiner, leistungsfähiger Kompressoren ist das Tauchen heute fast überall möglich. Einfacher dagegen war damals die Frage nach der Druckluftversorgung: Kurbelt Hans oder Heinz? Heute ist die Frage des Antriebs komplexer. Es gibt sowohl Elektro- als auch Verbrennungsmotoren. Selbst eine Kombination aus beiden ist erhältlich, denn wer will schon am Baggersee stehen und eine Steckdose suchen.

Benzinmotoren machen die Kompressoren sehr mobil, allerdings eignen sie sich nur bedingt zum Flaschenfüllen im heimischen Keller. Dort ist der Elektroantrieb sicher die bessere Wahl.

Beim Strom gibt es zwei unterschiedliche Versionen mit 220 oder 380 Volt. Soll der Kompressor trotz Netzabhängigkeit auch mobil genutzt werden, ist die 220-Volt-Ausstattung die bessere Alternative.

Auch für die Preßluft gibt es zwei Möglichkeiten: Im Sporttauchbereich sind bisher die 200-bar-Flaschen im Gebrauch, aus dem gewerblichen Bereich und von Feuerwehren kommen aber vereinzelt auch 300-bar-Flaschen auf den Markt.

Die transportablen Kompressoren für den Taucher sind entweder drei- oder vierstufige Hochdruck-Kolbenkompressoren. Daß es bei den verschiedenen Herstellern geringfügige Unterschiede in der Konstruktion der Kolben gibt, ist für Taucher unerheblich.

Funktionsweise · Wie wird bei dreistufigen Kompressoren der Fülldruck erreicht? In der ersten Stufe wird ein Druck von etwa sechs bar aufgebaut. Da sich die Luft beim Zusammendrücken auf bis zu 120 Grad erwärmt, wird sie vor dem Einströmen in die zweite Stufe wieder abgekühlt. Die zweite Stufe komprimiert die Luft auf ungefähr 45 bar. Auch hier erwärmt sich die Luft wieder und muß gekühlt werden. Gleichzeitig kondensiert das in der Luft enthaltene Wasser. In der dritten Stufe wird die Luft auf den Enddruck von 225 bar verdichtet. Vor dem Einströmen in die Flasche sorgt ein mehrstufiger Filter für die endgültige Reinigung der Atemluft. Wasser aus der Luft kondensiert, ein Aktivkohlefilter absorbiert gasförmige, chemische Verunreinigungen. Abschließend wird die Luft über ein Trocknungsgranulat geleitet, um Rost in den Druckluftflaschen zu vermeiden und dem inneren Vereisen des Atemreglers vorzubeugen.

Funktionsweise eines Kompressors

  1. Ansaugschlauch mit Vorfilter
  2. 1. Stufe (ca. 6 bar)
  3. Zwischenkühler
  4. 2. Stufe (ca. 45 bar)
  5. Zwischenkühler
  6. Wasserabscheider
  7. 3. Stufe (ca. 225 bar)
  8. Nachkühler
  9. Mehrstufiger Filter
  10. Füllarmatur mit Manometer

Wichtigere Kritierien für den Kauf eines transportablen Kompressors sind deshalb das Gewicht und die Luftlieferleistung. Denn, je leichter der Kompressor ist, desto einfacher kann er mobil eingesetzt werden. Und wer beim Kauf die Luftlieferleistung außer acht läßt, kann beim ersten Füllen oft Überraschungen erleben. Es gilt: Je größer die Menge der gelieferten Luft, desto schneller sind die Flaschen voll. In ein zehn-Liter-Gerät müssen immerhin 2000 Liter Luft gepreßt werden. Wenn dann aber ein ganzer Tauchclub anrückt, füllt mann höchstens noch für einen Nachttauchgang.

Transportable Kompressoren sind meist recht spartanisch ausgestattet. Dies beeinträchtigt den Bedienkomfort. Kondensat, das bei der Lufttrocknung anfällt, muß immer wieder manuell abgelassen werden, auch haben die Geräte nicht immer eine automatische Entabschaltung. Wenn der Flaschendruck von 200 bar erreicht ist, öffnet sich zwar ein Überdruckventil, der Motor aber läuft weiter, bis man ihn manuell abschaltet. Auch die Betriebszeiten, nach denen sich die Wartung richtet, müssen von Hand mitgeschrieben werden.

Für eine einfachere Bedienung sorgen daher Sonderausstattungen: Ein automatischer Kondensatabscheider, der zwar selbständig arbeitet, aber gewartet werden muß. Ein Druckabschalter, der den Motor bei erreichtem Fülldruck stoppt. Oder aber ein Betriebsstunden-Zähler, an dem man die Wartungsintervalle ablesen kann. All diese Zusatz-Ausstattungen sind nützlich, treiben den Anschaffungspreis aber auch schnell in die Höhe.

Eine Genehmigungspflicht für ausschließlich privat genutzte Füllanlagen gibt es übrigens nicht. Aber: Wird der Kompressor auch nur teilweise gewerblich genutzt, muß eine behördliche Erlaubnis vorliegen, bei der unter anderem eine Schulung des Bedienpersonals Bedingung ist. Der Betrieb in Vereinen bewegt sich momentan noch in einer rechtlichen Grauzone.

Bei der Ausstellung eines Kompressors sollte man eineige wichtige Punkte beherzigen: Der Platz muß möglichst eben und - gerade bei Elektromotoren - absolut trocken sein. In der Umgebung darf es keine Luftverunreinigungen geben: keine Abgase von Autos, Lagerfeuern oder dem Kompressormotor selbst. Regelmäßige Wartung ist für die einwandfreie Funktion unentbehrlich. Für alle Atemluft-Kompressoren darf nur ein vom Hersteller zugelassenes, spezielles Schmieröl verwendet werden. Wird ein anderes Öl benutzt, kann die Luft verunreinigt werden. Das Altöl dagegen kann wie der automobile Ölabfall an jeder Tankstelle entsorgt werden. Normale Wartungsarbeiten wie eben ein Betriebsstoff-Wechsel sind relativ einfach durchzuführen. Davon darf man sich aber nicht zu weitergehenden Bastelarbeiten am Kompressor verführen lassen. Die modernen Hochdruck-Füllanlagen sind durch Überdruck-Ventile abgesichert. An diesen Sicherheitsventilen darf auf gar keinen Fall herumgebastelt werden.

Aus der Luft, die zum Gerätetauchen verwendet wird, müssen alle Verunreinigungen entfernt werden. Dies geschieht bei Atemluft-Kompressoren in verschiedenen Schritten: Schon am Ansaugschlauch hält ein erster Grobfilter Staubteilchen fern. Im weiteren Verlauf durch den Kompressor wird dann die Feuchtigkeit von Kondensatabscheidern ausgefällt sowie chemische Fremdstoffe, wie Fette und Öle durch Aktivkohle ausgefiltert. Bevor die Luft dann in die Flasche kommt, wird durch ein Trocknungsgranulat die Restfeuchte gebunden. Die Filter sind entweder getrennt angebracht oder in einem Modul zusammengefaßt. Die modulare Lösung ist für eine schnelle Wartung besser geeignet. Trotz der Filtersysteme hat es sich bewährt, vor dem Montieren des Lungenautomaten kurz an der "frisch" gefüllten Flaschenluft zu riechen oder ein sauberes Taschentuch in den Luftstrom aus der Flasche zu halten. Stellt man irgendeinen Geruch oder eine Verunreinigung fest, so darf mit dieser Flasche auf gar keinen Fall getaucht werden. Abschließend noch ein Wort zu aktiven Umweltschutz: Es sollte selbstverständlich sein, daß man nicht an einen Baggersee fährt und als erstes den Kompressormotor anläßt. Die Füllung für den ersten Tauchgang macht man dann doch besser zu Hause.

FiltersystemFür den Taucher nur das Beste
Die Atemluft muß absolut trocken und frei von chemischen Rückständen sein. Es darf kein Öl oder Fett in den Kompressor oder in die Flasche gelangen. Gerade in den Hochdruck-Stufen ist dies wichtig, weil bei der Verdichtung hohe Temperaturen entstehen. Wenn Fett oder Öl enthalten ist, könnte es sein, daß sich das Gemisch beim Verdichten entzündet, nach dem selben Prinzip wie bei einem Dieselmotor. Für saubere Luft müssen die Intervalle für den Filterwechsel unbedingt eingehalten werden.

Fazit: Ein eigener Kompressor ist nur etwas für Vieltaucher für wirklich entlegene Tauchplätze. Ansonsten ist die Flaschenfüllung im Tauchgeschäft mit zirka fünf Mark pro Pulle auf Dauer gesehen einfach preiswerter. Preßluftatmern, die unbedingt auf die eigene Füllanlage bestehen, empfehlen wir, ein Kompressor-Seminar - am besten vom jeweiligen Hersteller - zu belegen, um den richtigen und sicheren Umgang mit der Hochdruck-Technik zu erlernen. Ansonsten ist beim Kauf eines Kompakt-Kompressors vor allem das Gewicht maßgeblich, damit Ihre Air-Füllstation auch wirklich tragbar ist.

Bericht: Unterwasser, Jörg Neisser, Ausgabe 1/1996, S. 94

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